CRITICAL MASS BERLIN

Wie jeden letzten Freitag im Monat treffen sich auch in Berlin FahrradfahrerInnen um gemeinsam durch ihre Stadt zu fahren. Sie treffen sich um 20 Uhr am Feuerwehrbrunnen auf dem Mariannenplatz in Kreuzberg. Von dort aus fahren sie dann als geschlossener Verband gemäß §27 StVO los und rollen gemütlich 2 oder gar 4 Stunden kreuz und quer durch Berlin.

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CRITICAL MASS ist eine weltweit stattfindende Aktion von Radfahrerinnen und Radfahrern, mit der sie gegen ihre systematische Benachteiligung durch Straßenverkehrsordnung und Verkehrsinfrastruktur sowie die Dominanz des motorisierten Verkehrs in den Städten protestieren und für ihre Rechte als gleichberechtigte VerkehrsteilnehmerInnen eintreten. Sie findet einmal im Monat statt, traditionell am letzten Freitag. In vielen Städten wird aber auch an anderen Tagen gemeinsam geradelt. Die TeilnehmerInnen organisieren mittels Sozialer Medien wie Facebook, Twitter oder anderen Plattformen.

Eine Liste aller derzeit in Deutschland aktiven CMs, mit Treffpunkten und Abfahrtzeiten, findet sich: HIER

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Alles begann in San Francisco, an einem Freitag, dem 25. September 1992, um 18 Uhr. Unter dem Namen „Commute Clot“, was so viel wie „Pendlerklümpchen“ bedeutet, trafen sich ein paar Dutzend Radfahrer zur ersten gemeinsamen Fahrt.
Einige der Teilnehmer trafen sich kurz darauf in einem Fahrradladen, um gemeinsam Ted Whites Film „Return of the Scorcher“ anzusehen, eine Dokumentation über Fahrradkulturen weltweit. In dem Film erzählt George Bliss, begeisterter Erbauer von Fahrzeugen, die mit menschlicher Muskelkraft betrieben werden, und Rikschafreund, von der chinesischen Methode, den Verkehr ohne Signalsysteme und Verkehrszeichen zu regeln und im Fluss zu halten: Man stoppt am Kreuzpunkt, es staut sich eine Menge an, die sich, wenn sie eine bestimmte Größe – eine kritische Masse – erreicht hat, in Bewegung setzt und die Kreuzung passiert. An den anderen Einmündungen wird so lange gewartet, bis auch dort der Fahrzeugstrom wieder auf kritisches Maß angewachsen ist, dann setzt man sich in Bewegung, und der restliche Verkehr ruht.
Ein faszinierender Vorgang, der ohne von außen kommende Signalgebung, Rufe oder Handzeichen, in erstaunlicher Harmonie abläuft und daher auf Außenstehende geradezu magisch wirkt – und der, nebenher, auch das verschieden starke Verkehrsaufkommen der einmündenden Straßen berücksichtigt.
Als die Cyclisten das gesehen hatten, war klar, wie das Fahrrad-Event, das ab sofort jeden letzten Freitag im Monat stattfinden sollte, heißen muss: „Critical Mass“.

Inzwischen gibt es CMs in mehr als 300 Städten weltweit.

In Berlin fand die allererste CM mit etwa 20 Teilnehmern am 26. September 1997 statt.

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Die Critical Mass – mehr als eine Radtour in der Stadt. Ein Grundanliegen der Critical Mass ist, sicheren Verkehrsraum für Radfahrer zurückzugewinnen. Dieser Verkehrsraum wird hierzulande bisher vor allem von Kraftfahrzeugen besetzt – allein für diese sind Fahrbahnen und Leitsysteme angelegt. “Autogerecht” nennt man das.

An dieser einseitigen Ausrichtung unserer Stadt rüttelt die Critical Mass. Radfahrer sollen nicht länger auf minderwertige Nebenwege geschickt werden. Damit sind zum Beispiel Radwege gemeint, die sich an Engstellen der Autospur beugen müssen. Man stelle sich im Gegenzug eine Autospur vor, die vor einem Kreisverkehr unvermittelt endet. Radfahrer erleben so etwas ständig.

Darüber hinaus stellt die Bewegung eine grundsätzliche Frage an die Stadt- und Verkehrsplanung: wie soll in Zukunft unsere Fortbewegung im Straßenraum, somit auch unser Umgang und die Begegnung im öffentlichen Raum aussehen? Weiterhin Vorfahrt für das Auto, unter Inkaufnahme aller Begleiterscheinungen wie Abgas, Lärm, Flächenverbrauch und Gefährdung schwächerer Verkehrsteilnehmer? Oder spricht nicht viel mehr für ein umweltverträgliches Verkehrskonzept, wie es das Fahrrad schon längst bereitstellt?

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