Ostsee-Ungeheuer 2017

In den letzten Jahren führte die Route des von Fahrtwind-Berlin organisierten Frühjahr-Klassikers „Ostsee-Ungeheuer“ am ersten Tag von Berliner Hausvoigteiplatz entlang der Havel nach Feldberg, wo in der Jugendherberge übernachtet wurde. Am nächsten Morgen ging es dann weiter über Neubrandenburg nach Greifswald und von dort an den Ostseestrand bei Wampen.

Dieses Jahr hieß das Ziel des Ostsee-Ungeheuer 2017: Aufgang 9 am Strand von Warnemünde.
Start war für die Teilnehmer*innen diesmal am Bahnhof in Hennigsdorf und übernachtet wurde in der Jugendherberge von Waren/Müritz. 130 und 110 km waren die jeweiligen Etappen lang.
Nicht aber so für meinen Kumpel Rene und mich. Wir klemmten uns unsere MTBs unter den Hintern und wollten ab Oranienburg am ersten Tag eine 150 km Strecke nach Waren fahren um dort die Fahrtwind-Bande treffen. Anschließend wollten wir in der Nähe biwakieren. Also unter freiem Himmel übernachten. Soweit der Plan als wir uns um 7 Uhr am Bahnhof in Oranienburg auf den Weg machten.

Die Realität sah dann doch etwas anders aus.

Wir kamen ganz munter voran, da der Radweg entlang der Havel sehr gut ausgebaut ist, asphaltiert und brettebene. Es handelt sich um dem bekannten und viel befahrenen Fernradweg Berlin – Kopenhagen. Auf dem Fernradweg und damit weitestgehend auf Asphalt fuhren bis zum Kleinen Wentowsee. Dort verliessen wir den Radweg verliessen und suchten uns unseren eigenen Weg Richtung Waren/Müritz. Auf der bisherigen Fahrt hatte es immer wieder ein paar Kilometer lang geregnet. Aber es war der 24. Juni und die Temperatur war angenehm. Im Park von Gut Zernikow machten wir unsere erste richtige Pause ein. Ich schmiss den Gaskocher an und nach wenigen Minuten konnten wir einen frischen Kaffee aus der mitgeführten Espresso-Kanne geniessen.

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Gestärkt machten wir uns auf den Weg Richtung Fürstenberg an der Havel. Von Fürstenberg fuhren wir auf immer ruppiger werdenden Strassen und über Waldweg immer weiter Richtung Neustrelitz. Zwischendurch wurden wir sobald wir getrocknet waren, neu beregnet, sodass wir bald nicht mehr trennen konnten ob wir nun am ganzen Laib feucht vom Regen oder vom Schwitzen waren. Aber egal. In Neustrelitz muss ich aus Spass an der Freunde mitten durch die Fontänen des Wasserspiels auf dem Neustrelitzer Markplatz fahren. Statt von Oben kam diesmal die Dusche von Unten.

IMG-20170626-WA0017Ohne Pause ging es um auf einem glitschigen Weg südlich um den Zierker See herum. Wir waren knapp zwei Kilometer gefahren als wir zu einer Unfallstelle kamen. Eine Radfahrerin war ihrem vorausfahrenden Freund von Hinten ins Rad gefahren und hatte einen kapitalen Sturz produziert. Die Frau lag verknotet mit ihren Leihrad im Dreck der Piste und daneben stand der hilflose Freund. Rene und ich nahmen uns der Sache an, brachten die Verunfallte in die korrekte Lage und riefen den Notarzt. Es war nicht schlimm. Kein Blut oder abstehende Gliedmaßen sondern nur ein gewaltiger Schock und wahrscheinlich jede Menge blaue Flecken und Prellungen. Da wir mitten im Wald waren fuhr Rene den Sanitätern entgegen. Ich blieb am Unfallort und kümmerte mich um die Beiden. Nach knapp 15 Minuten kam Rene mit dem Rettungswagen zurück und nach dem kurzen Austausch der Informationen konnten wir weiterfahren.

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Wieder rollten wir durch kleine Dörfer, vorbei an blühenden Wiesen oder über breite Waldweg. Nach 11 Stunden Fahrt erreichten wir die Jugendherberge in Waren, wo die Fahrwind-Mannschaft gerade dabei war Berge von Nudeln mit Sosse zu verputzen. Futtern wie bei Muttern und ein weiches Bett für den geschundenen Ar….. . Unser Plan sah etwas robuster aus.

Ich hatte bei der Tourenplanung nördlich von Waren am Tiefwarensee eine Schutzhütte entdeckt und dort wollten wir übernachten. Vorher ging es noch in Waren zu EDEKA um Proviant für’s Abendessen und Frühstück einzukaufen. Auf dem Weg zur Schutzhütte entdeckten wir auf einer Wiese einen Aussichtsturm aus Stahl und entschlossen uns dorthin zu fahren. Dort wollten wir den Abend und die Nacht zu verbringen. Am Fuss des Turms wurden chinesische Nudel mit Sosse gekocht und verspeist, noch eine paar belegte Brote zusätzlich gemampft und dazu ein paar Bierchen genossen. Wir hatten uns das festliche Abendessen wahrlich verdient. Fahrstrecke 195 km stand auf dem Tacho und einen Schnitt von knapp über 22 km/h waren wir gefahren. Ich glaube, dafür dass wir sehr viele Kilometer Off-Road zurückgelegt haben, viel Gegenwind hatten und immer gut von Oben gewässert wurden, kann sich unsere Leistung für diesen Tag sehen lassen.

Um 9 Uhr war Bettruhe in 8 Meter Höhe angesagt.

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Gegen 1.30 Uhr in der Nacht wurde ich wach. Es tröpfelte etwas auf mein Gesicht. Es war Regen und der nahm sehr, sehr schnell an Heftigkeit zu. Also entschlossen wir uns den Turm zu verlassen und das Zelt aufzubauen. Gesagt, getan. Fast. Nur fand ich keine Heringe für das Zelt. Ich musste sie bei unserer einzigen Pause, der Kaffeepause im Park von Gut Zernikow, liegen gelassen haben. Ich Vollpfosten! Also rannte ich den Hang, auf dem der Turm stand, hinunter ins nächstgelegene Wäldchen und schnitzte dort sechs Stöcke zu heringsähnlichen Teilen um das Zelt zu befestigen. Es goss wie aus Kübeln. Zwischenzeitlich stand das Innenzelt unter Wasser, die Isomatten waren klitschnass und auch unsere Daunenschlafsäcke tropften. Wir tropften natürlich auch. Nachdem die Regenhaut über dem Innenzelt mit den selbstgeschnitzten Ersatz-Heringen aufgebaut war krochen wir ins Zelt und kuschelten uns in unsere nassen Schlafsäcke. Trotz der sehr feuchten Angelegenheit fanden wir nach einiger Zeit den Schlaf wieder und pennten bis 6.30 Uhr. Der Regen war vorbei und eine leichte Prise wehte vom der Müritz zu uns herüber. Ich kochte uns Kaffee und wir begannen im Wind unsere Sachen zu trocknen, was uns auch in den nächsten zwei Stunden gelang. Zwischendurch frühstückten wir und beluden unsere MTBs.

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So gegen 8.30 Uhr verliessen wir unser Nachtquartier und fuhren zur Jugendherberge nach Waren um uns der Fahrtwind-Gruppen anzuschliessen und mit ihnen gemeinsam an die Ostsee zu rollen.

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Und wieder gab es hin und wieder einen kleinen Regenschauer, mehrere Plattfüsse und bei mir riss die Kette. Zu allem Übel fing an meinem MTB ca. 50 km vor Warnemünde die Nabe des Hinterrads an zu lärmen. (Zuhause stellte ich fest, dass das Lager teilweise hinüber war)

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Trotz des zunehmenden Lärms des Hinterrads schafften wir es alle bis Warnemünde. In Ort rollten wir zuerst in den Hafen um uns bei Fischbrötchen und einem Bier zu stärken. Nach dem leckeren Mal fuhren wir gemeinsam zum Aufgang 9 und von dort über den Steg und durch den Sand bis kurz vor das Wasser der Ostsee.

Wir waren am Ziel unserer Ausfahrt angekommen und machten uns nunmehr selbst zu den Ostsee-Ungeheuern indem wir uns johlend in die aufgewühlte Ostsee stürzten. Das Wasser war zwar noch kalt aber die Brandung wirk ja bekanntlich wie eine Massage, die Wärme in den Körper bringt. Es war herrlich.

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Nach einer kurzen Fahrt zur nächsten S-Bahnstation in Warnemünde ging es von Rostock mit der Bahn zurück nach Berlin.

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Der Track zur Strecke, allerdings ohne unsere kleinen Umweg, das falsche Abbiegen und das zurückfahren zum Fehler.

P.S.: Nächstes Jahr wird die Suche nach dem Ostseeungeheuer ausfallen. Eigentlich Schade, aber es wartet im Juni/Juli 2018 die Tour Divide. Der Start ist, wie jedes Jahr am 2. Freitag im Juni, also am 8. des Monats, in Banff in Kanada. Danach beginnt das Off-Road-Abenteuer, über 4.500 km auf der längsten unbefestigten Strecke der Welt von Norden nach Süden durch die USA bis zur Grenze zwischen den USA und Mexiko zu fahren.

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