Radrennbahn Weißensee

An die Radrennbahn Weißensee erinnert heute nur noch der Straßenname Rennbahnstraße, an der die Sportanlage Weißensee liegt. Hier befand sich bis in die späten 1990iger Jahre die Radrennbahn Weißensee.

1877 der Berliner Traber-Club an dieser Stelle die erste Berliner Trabrennbahn. Am 16. und 17. Juni 1878 fanden die ersten Rennen statt und lockten mehr als 12.000 Besucher nach Weißensee. Später wurde eine eigene Sonderlinie der Strassenbahn bis zu den Eingängen der Rennbahn errichtet. Nach mehreren Umbauten und zeitweiser Unterbrechung der Aktivitäten auf der Rennbahn wurde die Anlage 1912 geschlossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1954/1955 auf diesem Gelände eine Radrennbahn mit einer Tribüne für 9.000 Zuschauer aus Trümmerschutt errichtet und erwachte als Radrennbahn zu neuem Leben. Die offene Rennbahn besass nach der klassischen Norm eine Länge von 333 1/3 Meter, hatte  überhöhte Kurven und war mit einem Fahrbahnbelag in Beton ausgeführt.

Am 25. September 1955 übergab Herbert Kurt Fechner, stellvertretender Oberbürgermeister von Ost-Berlin, in einem feierlichem Akt die Radrennbahn an die Berliner Bahnradsportler. Das Oval war Austragungsort von Sportwettkämpfen wie die Berliner Bahnmeisterschaften, der Großer Osterpreis, etc. und wurde von Rennrädern, Motocross-Maschinen oder Trialrädern genutzt.

Ab den späten 1980er Jahren wurde das Gelände der Radrennbahn Weißensee für Musikgroßveranstaltungen und mehrtägige Open-Air-Festivals genutzt. So fand vom 16. bis 19. Juni 1988 hier das größte Rockfestival der DDR statt. Es traten damals u. a. Joe Cocker, The Wailers, James Brown, Fischer-Z, Rainbirds, Bots, Big Country, Marillion und DDR-Bands wie City und Die Zöllner auf.

Über die Grenzen der DDR hinaus bekannt wurde die Radrennbahn Weißensee allerdings am 19. Juli 1988. Bruce Springsteen und die E-Street-Band spielten hier während ihrer Tunnel of Love Tour das größte Solo-Konzert der DDR-Geschichte. Zugleich war es der größte Live-Auftritt von Bruce Springsteen.

Offiziell waren 160.000 Eintrittskarten zu 20 Mark der DDR verkauft worden. Fans aus der ganzen Deutschen Demokratischen Republik trampten oder kamen mit der Bahn oder fuhren mit dem Trabant in die Hauptstadt der DDR und weil die Ordnungskräfte vor dem Ansturm der Massen kapitulierten und den Weg ins Stadion frei machten werden es wohl 200.000 bis 300.000 Besucher gewesen sein, die dem Konzert lauschten.

„Es ist schön in Ost-Berlin zu sein. Ich bin nicht hier für oder gegen irgendeine Regierung. Ich bin gekommen, um Rock’n Roll zu spielen; in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren umgerissen werden.“

rief Springsteen seinem Publikum zu. Anschließend sang er Bob Dylans Song Chimes of freedom (Geläut der Freiheit). 479 Tage später war die Berliner Mauer dann weg.

Wen wundert es da, dass 29 Jahre nach dem Konzert in Ost-Berlin Bruce Springsteen zu den erklärten Gegnern der Mauer zählt, die Donald Trump, der 45. Präsident der USA, auf einer Länge von 3.144 km bauen möchte um die USA von Mexiko abzuschotten.

Heute erinnert nur noch ein Relief am ehemaligen Eingang zur Radrennbahn an diesen geschichtsträchtigen Ort.

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Die Ära der offenen Ovale in Berlin ist Geschichte. Die letzten offenen Radrennbahnen in Berlin waren Weißensee und Schöneberg und leben nur noch in der Erinnerung.

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